Auf dem Kopf

 

Wärme auf meiner Haut,
doch die Sonne scheint nicht.

Helligkeit in meinen Augen,
doch es brennt kein Licht.

Klares Wasser löscht meinen Durst,
doch es fließt kein Bach.

Mein Hunger ist gestillt,
doch habe ich wenig zu Essen.

Der Wind treibt mich an, doch es ist windstill.
Ich sehe viel, doch gibt nichts zu sehen.
Ich stehe still, doch ich bin in Windeseile.
Ich bin ganz ruhig,
doch alles in mir ist aufgeregt.

Ich bin leise, doch alles ist laut in mir.

Ich habe Freiheit, doch überall
sind Gebote und Gesetze.

Ich bekomme viel Lohn,
doch alles tue ich umsonst.

Ich habe die Ewigkeit
und doch ist meine Zeit begrenzt.

Ich bin willkommen und geliebt,
doch ich bin überall fremd.

Ich denke vielfältig,
und doch denke ich nur
über eine Sache nach.

Ich kann frei über mich verfügen,
doch ich gehöre nicht mir selbst.
Ich bin teuer erkauft,
doch kein Geld wurde für mich bezahlt.

Ich höre eine süße Melodie,
doch es spielt keiner Musik.

Ich sehe am Himmel bunte Farben,
und doch ist er einfarbig blau.

Wir lieben die Natur,
doch wir pflegen sie nicht.

Wir sind mächtig
und doch sind wir machtlos.

Wir sind erfolgreich
und doch ist alles unergiebig.

Wir verbessern ständig die Welt,
doch wir schaden ihr nur.

Wir wollen die Wahrheit,
doch wir glauben der Lüge.

Wir wollen unseren Frieden,
doch stiften wir Unruhe.

Wir wollen schlank sein,
doch wir essen zu viel.

Wir wollen treu sein,
doch wir sind untreu.

Wir wollen Gutes tun,
doch wir tun Schlechtes.

Denn selbstsüchtig wie wir sind, wollen wir immer das Gegenteil von dem, was Gottes Geist will. Doch der Geist Gottes duldet unsere Selbstsucht nicht. Beide kämpfen gegeneinander, sodass ihr das Gute, das ihr doch eigentlich wollt, nicht ungehindert tun könnt. Wenn ihr aber aus der Kraft des Geistes lebt, seid ihr den Forderungen des Gesetzes nicht länger unterworfen. (Galater 5,17-18)

Du gehörst dir selbst,
doch du lässt dich zu oft von anderen bestimmen.

Du bist clever und klug,
doch bist du arm an Weisheit.

Du wirst geliebt, doch du kennst IHN nicht,
den Gott, der dich liebt.

Du bist so wertvoll,
doch du betrachtest dich als wertlos.

Du kannst über alles herrschen,
doch du lässt dir alles gefallen.

Du könntest gesund werden,
doch du bleibst krank.

Du könntest ewig leben,
doch du stirbst.

Du könntest schuldenfrei sein,
doch du kommst um vor Schuld.

Du könntest Gott vertrauen,
doch du misstraust IHM.

Du möchtest jung bleiben,
und doch wirst du alt.

Da sagte der Herr: „Die Menschen sollen nicht mehr so alt werden, ich werde ihnen meinen Lebensatem nicht für immer geben. Sie lassen sich immer wieder zum Bösen verleiten. (1. Mose 6,3)

DU Jesus heilst Kranke,
doch DU bist kein Arzt (im weißen Kittel).

DU wirst „der Lebendige“ genannt,
und doch sieht man DICH tot am Kreuz.
DU bist der Richter,
doch DU wirst verurteilt.

DU bist der Erniedrigte
und doch bist DU Gott.

Ich mochte noch nie Gedichte
und doch schreibe ich welche.

(Ein Gedicht, doch es reimt sich nicht)

Diese (runde) Welt - steht auf dem Kopf!

... Man nennt uns Lügner, und wir sagen doch die Wahrheit. Für die Welt sind wir Unbekannte, aber Gott kennt uns. Wir sind Sterbende, und dennoch leben wir. Wir werden geschlagen und kommen doch nicht um. In allen Traurigkeiten bleiben wir fröhlich. Wir sind arm und beschenken doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles. (2. Korinther 6,8-10)

2007

(Vorlesung im live Programm "Frühlingszeit" EFG Recklinghausen)